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Formen von Hilfen zur Erziehung für Jugendliche



Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche

Jörn leidet unter Leistungsdruck. Er muss eine Therapie machen. Zurück aus der psychiatrischen Klinik verschlimmert sich seine seelische Erkrankung erneut. Seine Familie weiß sich nicht mehr zu helfen. Jörn wird eine Zeit lang außerhalb der Familie betreut. So kann er seine Krise überwinden. Dann kehrt er in sein gewohntes Umfeld zurück.

Jugendliche, die außerhalb der Familie untergebracht werden, haben in der Regel eine schlimme Lebenskrise hinter sich. Die Ursachen von Verhaltens- und Entwicklungsstörungen sind seelische Erkrankungen, die damit zusammenhängen, was sie erlebt haben. Die Gestaltung der Hilfen richtet sich deshalb nach euren speziellen Erlebnissen.

Unabhängig von der Art der Erkrankung gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es euch ermöglichen, eure Krise zu bewältigen und euch wieder in euer soziales Umfeld einzufügen.

Sinn und Zweck der Maßnahmen werden euch erklärt. Dadurch soll eure Motivation aktiv mitzuarbeiten gesteigert werden. Gemeinsam mit euch stellen die Betreuer_innen einen Plan auf, um mit der Erkrankung angemessen umzugehen. Es ist ihnen dabei ganz wichtig, euch eure eigenen Stärken und positiven Eigenschaften bewusst zu machen. Dann könnt ihr diese nutzen, um eure Situation zu verändern und eure Aussichten für eure Zukunft zu verbessern.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 26

Erziehungsbeistandschaft

Olaf weigert sich, zur Schule zu gehen. Er kommt kaum mehr aus seinem Zimmer heraus. Sein alleinerziehender Vater ist machtlos. Er arbeitet Vollzeit und hat darum wenig Zeit für seinen Sohn. Ein besorgter Lehrer wendet sich schließlich an das Jugendamt. Olaf, sein Vater und das Jugendamt einigen sich auf regelmäßige Besuche eines Sozialarbeiters. Dieser hilft Olaf, aus seiner Isolation herauszufinden.

Die Erziehungsbeistandschaft ist eine individuell zugeschnittene Hilfe für Kinder oder Jugendliche mit Entwicklungsproblemen oder sozialen Auffälligkeiten.

Sozialarbeiter_innen klären die familiäre und soziale Lage von euch ab. Bei Schwierigkeiten in der Familie können sie einen Erziehungsbeistand vermitteln und eurer Familie helfen, Lösungen zu entwickeln. Der Erziehungsbeistand hilft euch auch, euch besser in euer soziales Umfeld (Freunde, Schule etc.) einzugliedern und selbstständiger zu werden.

 

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 17

Erziehungsberatung

Der 14 Jahre alte Emanuel kommt abends oft erst gegen Mitternacht nach Hause. Er schwänzt häufig die Schule und hängt mit Freunden herum. Seine Eltern wissen nicht, was bei der Erziehung falsch läuft.

Die Erziehungsberatung bietet Hilfe in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung. Sie erleichtert euren Eltern oder anderen Sorgeberechtigten die Erziehung durch fachlichen Rat.

Die Erziehungsberatung steht nicht nur euren Eltern offen, ihr könnt auch selber den Weg zum Jugendamt finden und euch beraten lassen. Die Erziehungsberatung ist stets vertraulich; die Berater_innen unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.

Die Erziehungsberatung deckt verschiedene Problemfelder ab: Sie hilft bei Erziehungsfragen, aber auch bei Problemen, die zwischen euch und euren Eltern bei Trennungen und Scheidungen entstehen können. Die Erziehungsberatung diagnostiziert und behandelt Verhaltens- und Entwicklungsstörungen sowie Lernschwierigkeiten.

In komplizierteren Fällen bieten die Berater_innen neben der Beratung eine sogenannte therapeutische Intervention an. Diese soll das Verhalten der Hilfesuchenden im Laufe der Zeit zum Positiven verändern. Ziel ist es, dass Hilfesuchende zukünftig eigene Lösungen für ihre Probleme entwickeln können.

Die Erziehungsberatung leistet auch vorbeugende (präventive) Arbeit. Sie hilft euren Eltern oder anderen Bezugspersonen frühzeitig Entwicklungsprobleme zu erkennen und auf diese zu reagieren.

In der Erziehungsberatung arbeiten verschiedene Fachkräfte Hand in Hand. Sie kommen aus den Bereichen Psychologe, Sozialpädagogik, Logopädie, Heilpädagogik sowie Ehe- und Familienberatung. Diese fächerübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende Beratung.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 14-15

Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und ihre Kinder

Die 16-jährige Sabrina ist schwanger. Ihre Eltern wollen, dass sie abtreibt. Ihnen sind Schule und Ausbildung wichtiger. Sabrina weigert sich und muss von nun an ständig die Vorwürfe ihrer Eltern ertragen. Irgendwann hält sie es zuhause nicht mehr aus. Mittlerweile lebt Sabrina mit ihrer drei Monate alten Tochter in einer Mutter-Kind Gruppe.

Junge Mütter oder Väter werden gemeinsam mit ihrem Kind in Wohnungen gefördert, in die sie vorübergehend einziehen. In diesem geschützten Umfeld erlebt ihr, wie ihr positiv und konstruktiv miteinander umgehen könnt. Dabei lernt ihr auch, eigenständig zu leben.

Als junge Mütter und Väter könnt ihr eure Berufs- und Entwicklungschancen verbessern, und während dieser Zeit eine Ausbildung zu machen. Dies ist möglich, in dem ihr bei der Erziehung eurer Kinder unterstützt werden.

Sinnvollerweise wird bei dieser Hilfeform das Team aus pädagogischen Fachkräften durch Fachkräfte aus den Bereichen Geburtshilfe und Pflege ergänzt. So ist eine umfassende Betreuung möglich.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 27

Heimerziehung & sonstige betreute Wohnformen

Martins Eltern haben sich getrennt, seinen Vater sieht er kaum noch. Mit 10 spielt er bis tief in die Nacht am Computer. Er steht morgens nicht mehr auf und schwänzt die

Schule. Zuhause kommt und geht Martin, wann er will. Er bestiehlt seine Mutter. Seit einem Jahr lebt Martin nun in einer betreuten Wohngruppe.

Kinder und Jugendliche finden in einem Heim oder einer anderen betreuten Wohnform ein zeitlich befristet neues Zuhause, wenn in der Familie aus einem bestimmten Grund nicht mehr weitergeht. So wird eure Familie von den alltäglichen Problemen entlastet. In der Gruppe werdet ihr dann eurem Alter und eurem Entwicklungsstrand gemäß gefördert.

Ziel ist stets die Rückkehr in eure Familie. Dies wird mit pädagogischen Maßnahmen und durch einen geregelten Alltag angestrebt. Ist eine Rückkehr nicht möglich, könnt ihr auch über längere Zeit im Heim bleiben. Dort werdet ihr darauf vorbereitet, ein selbstständiges Erwachsenenleben zu führen, eine Ausbildung zu absolvieren und einen Beruf zu erlernen.

Eure Familie wird indes immer so weit als möglich einbezogen. Sie bleibt für euch in der Regel gefühlsmäßig der wichtigste Bezugspunkt. So soll die Rückkehr in die Familie stets offen stehen – zumindest als eine Möglichkeit.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 22

Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung

Mike ist gerade 18 geworden. Ein Erziehungsbeistand hat ihn seit einigen Jahren regelmäßig unterstützt. So hat es Mike geschafft, sein Leben zu meistern und eine Ausbildung anzufangen. Mike ist jetzt zwar volljährig. Er möchte aber nicht plötzlich auf sich alleine gestellt sein. Deshalb stellt Mike beim Jugendamt einen Antrag auf Nachbetreuung.

Die Hilfe für junge Volljährige richtet sich an junge Menschen, die zwar volljährig sind, jedoch noch Hilfe brauchen, um eigenständig zu leben. Diese Form der Hilfe unterscheidet sich nicht von den entsprechenden Hilfen für Minderjährige. Die Hilfe für junge Volljährige setzt in der Regel eine Hilfe fort, die bereits vor Vollendung eures 18. Lebensjahres begonnen wurde.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 28

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Die 13-jährige Melanie lebt in einer Wohngruppe. Dort haut sie ständig ab. Sie treibt sich herum, klaut Geld und Zigaretten. Das Jungendamt will Melanie durch eine intensive Einzelbetreuung einen Neuanfang ermöglichen. Um sie aus ihrem bisherigen Umfeld herauszuholen, führen Fachkräfte die Intensivbetreuung auf einer griechischen Insel durch.

Eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung kommt für euch in Frage, wenn andere Hilfemaßnahmen nichts mehr bewirken. Ziel der Förderung ist es, euch außerhalb eures gewohnten Umfeldes die Gelegenheit zu geben, neue Verhaltensmuster zu erlernen. Dies verbessert eure Chancen, euch sozial zu integrieren und den Kurs eures Lebens wieder selber zu bestimmen.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 24

Krisenintervention-Programme

Jana streitet sich ständig mit ihrer Mutter. Die 15-Jährige hält sich an keine Regeln. Sie will mit ihrem Freund zusammenziehen. Ihre Mutter ist strikt dagegen. Die beiden reden kaum noch miteinander. Manchmal schlägt Jana ihre Mutter. Diese wendet sich in der Not an das Jugendamt. Eine Fachkraft klärt die Situation vor Ort ab und entwickelt einen Plan, um die Krise zu entschärfen.

Befinden sich Familien in einer Krise oder drohen sie gar auseinander zu brechen, helfen sogenannte Kriseninterventions-Programme. Mit solchen Programmen sollen Krisen so schnell wie möglich entschärft werden.

Zuerst finden die Fachkräfte heraus, wo die Probleme eurer Familie liegen. Das hilft auch eurer Familie zu verstehen, wie es zu der Krise kommen konnte. In einem zweiten Schritt können die Fachkräfte und eure Familie dann gemeinsam Lösungen entwickeln und die Ziele für die Hilfe festlegen.

Jede Familie kann sich ändern. Ziel der Kriseninterventions-Programme ist es deshalb, Familien so lange zu stützten, bis sie aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Freunden und Bekannten aus der Krise herausfinden.

Wenn die Krise in eurer Familie abgewendet ist, ist auch die Krisenintervention beendet. Die meisten Kriseninventionen sind zeitlich auf sechs Wochen befristet. Bei Bedarf wird die Familie mit einer anderen Hilfeform weiterbetreut.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 19

Sozialpädagogische Familienhilfe

Jennifer (7 Jahre) unterdrückt ihren jüngeren Bruder Kevin. Mittlerweile macht sich Kevin nachts wieder in die Hose. Von der Mutter lässt sich Jennifer nichts sagen. Die Alleinerziehende schafft es kaum noch, den Alltag zu bewältigen. Verzweifelt wendet sie sich an das Jugendamt. Dieses stellt ihr während sechs Stunden pro Woche eine erfahrene pädagogische Fachkraft zur Seite.

Die Sozialpädagogische Familienhilfe richtet sich an Familien, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden und zum Beispiel durch alltägliche Belastungen überfordert werden. Überforderungen haben vielfältige Gründe und wirken sich unterschiedlich auf die Familien aus.

Die Sozialpädagogische Familienhilfe unterstützt eure Eltern bei der Erziehung, hilft aber auch, das Zusammenleben in der Familie zu verbessern. Außerdem unterstützen die Berater_innen eure Familie dabei, den Haushalt zu organisieren und ein Haushaltsbudget aufzustellen.

Sozialpädagogische Gruppenarbeit

Serge hat Stress in der Berufsschule. Er lässt seine Aggressionen an Mitschülern aus. Nach einer Schlägerei landet der 17-Jährige schließlich vor Gericht. Dieses schickt ihn in ein Training, wo er lernt, besser mit seinen Aggressionen umzugehen. Auch Serges Eltern

werden in das Training einbezogen.

Bei der Sozialpädagogischen Gruppenarbeit findet ihr euch in der Regel in einer Gruppe von drei bis zwölf Kindern im Schulalter zusammen. Sozialpädagogische Fachkräfte leiten die Gruppen. Im Vordergrund stehen das Lernen in der Gruppe sowie die Überwindung von Verhaltensproblemen und Entwicklungsschwierigkeiten.

Das Besondere an der Sozialen Gruppenarbeit ist das Zusammenwirken der Beteiligten. Durch Rollenspiele könnt ihr viel über euch selbst und eure Wirkung auf andere lernen.

Der geschützte Rahmen soll euch dazu ermutigen, eure Verhaltensweisen in Frage zu stellen und neue Formen des Umgangsauszuprobieren.

Typische Formen der Sozialen Gruppenarbeit sind zum Beispiel das Antiaggressions-Training, das hilft Aggressionen abzubauen oder das Deeskalations-Training, bei dem ihr lernt, wie ihr einem Streit aus dem Weg gehen könnt.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 16

Tagesgruppe / Wochengruppe

Der 8-jährige Sven kann nie stillsitzen. Er ist laut und aggressiv. Er hört auf niemanden außer auf seinen Vater. Dieser ist unter der Woche aber nicht zu Hause. Nachmittags geht Sven zwar in eine Tagesgruppe. Doch abends bleibt seine Mutter mit ihm überfordert. Schon bald wird Sven jedoch in eine Wochengruppe gehen. Dann ist er nur noch am Wochenende zu Hause, wenn auch der Vater da ist.

Tages- oder Wochengruppen sind geeignete Hilfeformen, wenn eine ambulante Hilfe nicht ausreicht, um wirkungsvolle Strategien und Wege für die Lösung eines Problems zu finden.

Wenn ihr in einer Tagesgruppe betreut werdet, geht ihr nach Schulschluss in eure Gruppe. Am späten Nachmittag kehrt ihr nach Hause zu euren Familien zurück, wo ihr weiterhin wohnt.

Wenn ihr  in einer Wochengruppe betreut werdet, übernachtet ihr montags bis freitags dort. Ihr seid nur am Wochenende zuhause bei euren Eltern.

In der Regel werden Mädchen und Jungend gemeinsam in den Gruppen betreut. Eine Gruppe besteht aus sechs bis zwölf Kindern und Jugendlichen.

Ihr lernt gemeinsam, eigene Verhaltensprobleme und Probleme der übrigens Familienmitglieder wahrzunehmen und angemessen damit umzugehen. Darüber hinaus werdet ihr schulisch gefördert.

Damit eure Fortschritte, die ihr in der Tages- oder Wochengruppe erzielt, auch in eurer Familie zum Tragen kommen, arbeiten die Betreuer_innen intensiv mit euren Eltern zusammen.

Quelle: Deutsches Rotes Kreuz (Hrsg.) (2010): Hilfen zur Erziehung. Berlin. S. 20-21