© M. Hendler

Museum = eingestaubt? Nicht in Münster!

(mh) Mal ehrlich: Wer hat beim Wort Museum schon direkt abgeschaltet? Hände hoch! Ok, ich gebe zu: ich auch. Ein Museum – ist das nicht das wo die Großeltern hingehen und hinterher davon erzählen, wie sie eine halbe Stunde vor einer Leinwand standen und dabei tief bewegt waren? Aber lasst uns doch mal alle Vorurteile vergessen.

Es gibt Museen, die Geschichten erzählen, in denen man sich verlieren kann und in andere Welten gezaubert wird. Dafür muss man sich natürlich auf den Zauber einlassen. Wer mit der festen Überzeugung reingeht, gleich die langweiligste Stunde seines Lebens zu haben, könnte die Zeit wohl besser anders nutzen. Wer aber nur ein wenig kritisch ist und zwar von einem langweiligen Ausflug ausgeht, aber bereit ist, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, dem kann ich nur empfehlen einen Besuch im Museum zu riskieren.

Ein gutes Museum – um damit anzufangen – ist meiner Erfahrung nach das Stadtmuseum in Münster. Ich war tatsächlich genau diese kritische Person, die ich gerade beschrieben habe, und ich muss sagen: Ich wurde überzeugt.

Münsters lange Geschichte plastisch kennenlernen

Die Hauptausstellung des Museums ist als Rundgang angelegt. Es beginnt mit der Entstehung Münsters als Kloster Monasterium, geht weiter mit der Täuferherrschaft, dem Westfälischen Frieden, der Herrschaft Napoleons und dem ersten Weltkrieg und endet mit dem zweiten Weltkrieg. Die Geschichte wird durch verschiedene Gemälde, Fotos, Filme, Statuen, Modelle, Gegenstände aus der jeweiligen Zeit wie Münzen und Porzellan und originalgetreu eingerichtete Räume erzählt.

Meine persönlichen Favoriten waren die Modelle der Stadt Münster von oben, die das Wachstum Münsters auf topografischer Ebene darstellen. Am Ende des Rundganges gibt es sogar eins dieser Modelle, das die Zerstörung von Münster im zweiten Weltkrieg zeigt: Der Dom ist teilweise zerstört, von vielen Häusern stehen nur noch die Grundmauern und das Schloss hat kein Dach mehr.

Highlights

Sonnenmonstranz.Sonnenmonstranz. © M. HendlerEs gibt allerdings noch viele andere Highlights, wie das Kasperle-Theater und der Kaufmannsladen, die in die Zeit des ersten Weltkriegs gehören, der Schießbudenstand, ein filigranes Modell der Lamberti Kirche und eine beeindruckende Sonnenmonstranz. 10 Punkte extra für alle, die das Bild der Enthauptung der Hl. Katharina finden, auf den zweiten Blick wirkt es nicht mehr ganz so realistisch.

Im Stadtmuseum gibt es aber nicht nur diese eine Dauerausstellung, sondern noch andere Ausstellungen. Aktuell (Stand 22.11.2021) ist dort ein Raum dem Thema “Münster auf alten Postkarten – rund um die Promenade zum Zoo” gewidmet, auf dem Flur vor der Hauptausstellung werden Bilder und Texte zu “Vor 50 Jahren – Münster 1971” gezeigt und in einer weiteren Ausstellung hängen die Lichtbilder von Pan Walther. Aktuelle Informationen zu den Ausstellungen gibt es auf der Website des Stadtmuseums.

Als ich zum ersten Mal dort war, wurde die letztgenannte Ausstellung gerade aufgebaut und ich konnte einen kurzen Einblick hinter die Kulissen erhalten. Einige Menschen wuselten durcheinander, auf dem Boden lagen Folie und Staub und mit einem Laser wurde sichergestellt, dass alle Bilder möglichst gerade an der Wand hängen. Hinter all diesen Präsentationen steckt sehr viel Arbeit, eine große Liebe zum Detail und ausgeprägte Überlegungen, um alles möglichst ansprechend darzustellen. Das wirkt, denn zumindest mich konnten diese Ausstellungen in eine andere, längst vergangene Welt zaubern.

Organisatorisches = ein Kinderspiel

Wohl mit das Beste an der ganzen Sache ist, dass ein Besuch im Stadtmuseum komplett kostenlos ist und sich deshalb niemand gezwungen fühlen muss, länger zu bleiben als er oder sie Lust hat. Man kann auch zwischendurch mal für 20 Minuten reinschneien und dann wieder gehen. Praktisch wäre es jedoch, ein 1 € Stück bereit zu halten, da man seine Tasche in einem Schließfach einschließen muss, wenn man sich die Hauptausstellung anschauen möchte. (Um bei deren Anfang anzugelangen, muss man übrigens die Treppe hochgehen.) Das Geld bekommt man beim Aufschließen des Schrankes wieder zurück. An dieser Stelle auch noch ein Lob an die Angestellten, die alle sehr freundlich und aufgeschlossen sind. Ein spezielles Shoutout an die Mitarbeiterin, mit der ich mich am Ende des Rundganges fast eine Stunde über den Zweiten Weltkrieg und das Leben im Allgemeinen unterhalten habe.

Und, konnte ich euch überzeugen? Jetzt noch einmal alle Hände hoch, die sich vornehmen, das Stadtmuseum bald mal zu besuchen! Seht ihr? Kultur ist einfach cool.