Drei aus einem Team

Der Bahnhof Wolbeck existiert seit 1970 als Treffpunkt für junge Menschen. Hier wird Theater gespielt, hier finden Partys statt, hier gibt es vielfältige Angebote für Mädchen und Jungen – und das Beste ist: Es sind weitgehend Jugendliche, die den Bahnhof Wolbeck ehrenamtlich organisieren. Zwei Sozialarbeiter sind fest angestellt, alles Weitere organisiert ein Team von rund 30 jungen Menschen, die sich für das große Ganze engagieren. Damit Jugendliche in Wolbeck zusammen sein und alles miteinander erleben können, was Jugend so ausmacht. Kanello hat mit Adriane, Clivia und Franziska darüber gesprochen, warum der Bahnhof für sie so wichtig ist, warum sie sich dort ehrenamtlich engagieren und wie Freundschaft, Selbstbewusstsein und Verantwortung entstehen. ... und darüber, warum eine Security-Jacke nicht zwangsläufig mehr Respekt, aber automatisch mehr Verantwortung bedeutet.

Franziska: Freundschaft.

Clivia: Ja, Freundschaft ganz stark. Wäre ich zum Beispiel nicht in den Bahnhof gekommen, hätte ich Adriane nicht kennen gelernt. Und ich hätte mich vielleicht nie wieder mit Franziska vertragen. Wir waren mal richtig zerstritten und der Bahnhof hat uns wieder zusammen gebracht. Ganz abgesehen davon engagiere ich mich auch viel lieber, als den ganzen Tag vor dem Rechner zu sitzen.

Adriane: Freundschaft auf jeden Fall. Wenn es den Bahnhof nicht gäbe, dann würden wir es vielleicht gar nicht hinkriegen, uns so regelmäßig zu treffen. Aber unser Team-Meeting am Dienstag und die Partys am Freitag stehen als Termine einfach so fest, dass niemand sie freiwillig ausfallen lässt. Außerdem können wir hier Erfahrungen machen, die wir sonst gar nicht so sammeln könnten. Das ist total viel wert.

Kanello: Welche Erfahrungen sind das?

Franziska: Verantwortung zu übernehmen. Freitags zum Beispiel veranstalten viele Abschluss-Klassen aus Wolbeck und aus der Umgebung bei uns ab 20 Uhr öffentliche Partys für Jugendliche ab 14 Jahren. Sie finanzieren damit ihre Abschlusspartys und übernehmen dafür ab 22 Uhr Aufgaben am Einlass, an der Garderobe und an der Theke. Die Aufsicht liegt aber über den gesamten Abend bei uns. Wir schauen, dass nur Jugendliche ab 16 Jahren Bier bekommen und müssen uns ab und zu auch um die kümmern, die mehr trinken, als sie vertragen. Wir nehmen sie dann aus der Party raus, bringen sie hier in die erste Etage und informieren die Eltern. Viele Eltern lassen ihre Kinder gerade deswegen zu diesen Partys gehen, weil sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Während Clivia und Adriane sich meist drinnen kümmern, bin ich als einzige Frau im Security-Team. Wäre ich nicht in den Bahnhof Wolbeck gekommen, würde ich mir heute sicher nicht zutrauen, einfach so auf Leute zuzugehen oder einzuschreiten, wenn es brenzlig ist.

Kanello: In diesem Zimmer hängt eine ganze Reihe von Jacken, auf denen groß „Security“ steht. Hilft Dir eine solche Jacke beim Einsatz?

Franziska: Denkt man vielleicht, ist aber nicht unbedingt so. Ab dem Moment, ab dem ich die Jacke trage, trage ich ja auch eine ganz andere Verantwortung. Ich kann mir dann nämlich nicht mehr aussuchen, ob ich dazwischen gehe, wenn zwei Jungs sich anrempeln oder prügeln. Ich muss es.

Adriane: Als ich schon etwa eineinhalb Jahre zum ehrenamtlichen Team gehörte, habe ich von der Realschule auf’s Gymnasium gewechselt. Wenn ich dort erzählt habe, dass ich mal ein echt schüchternes Mädchen war, konnte sich das niemand vorstellen. Und dieses Selbstbewusstsein habe ich nur bekommen, weil ich zuerst hier in der Mädchengruppe war, dann selbst eine Gruppe geleitet habe und mich in das Team einbringe. Du bekommst dann eben auch eine Menge zurück.

Franziska: Mir hat die Theater-AG geholfen, auf der Bühne zu stehen, präsent zu sein und auch mal lauter zu werden. Das hilft mir heute beim Security-Dienst sehr weiter. Außerdem waren in der Theater-AG bis auf einen Jungen ausschließlich Mädchen. Deshalb gab es dort nie diese klassische Aufteilung à la “Mädelsrollen und Jungsrollen“. Unsere Sozialpädagogin Katharina hat uns da sehr viel zugetraut. Wir haben zum Beispiel viele Szenen-Collagen zu bestimmten Themen gemacht, mit denen wir uns einfach ausprobiert haben. Was ich auch ganz wichtig finde: Wenn man Verantwortung zeigt, bekommt man hier Vertrauen zurück. Alle, die ein gewisses Alter haben und schon länger im Team mitarbeiten, bekommen zum Beispiel einen Schlüssel.

Clivia: Wenn man so einen Schlüssel hat, dann muss man darauf aufpassen, weil da im übertragenen Sinn sehr viel dranhängt. Wenn ich den verlieren würde, würde das ziemlich viel zerstören – auch für mich persönlich. Dadurch dass man einen Schlüssel bekommt, hat man auch eine zusätzliche Verantwortung, und so ein Vertrauen in einen ist was Besonderes. Ich bin jetzt neun Jahre hier und der Ort ist mir einfach sehr wichtig.

Clivia: Ich war in der neunten Klasse, als Katharina Grützmacher, die Sozialpädagogin des Bahnhofs, zu uns in die Klasse kam und eine Theater-AG ankündigte. Das habe ich ausprobiert und insgesamt vier Jahre hier Theater gespielt. Katharina ist Theaterpädagogin und hat mit uns echt eigene Sachen erstellt. Wir haben unsere eigenen Texte geschrieben, eigene Szenen gemacht, improvisiert – einfach alles. Irgendwann habe ich dann Franziska mit hierher geholt und eines Tages fragte Katharina, ob wir keine Lust hätten, bei einer Freitags-Party zu helfen. Das haben wir dann öfter gemacht und so sind wir über die Zeit zum Team dazugestoßen. Ich bin froh, dass es so gekommen ist, denn ich war früher auch ziemlich schüchtern. Durch die Theater-AG habe ich wirklich Selbstbewusstsein erlangt.

Franziska: Clivia und ich waren gut befreundet und in der Theater-AG waren ganz viele Leute aus ihrer Stufe. Die kannte ich alle gut – unter anderem, weil auch mein Bruder darin war. Als Clivia mich mitgenommen hat, hab’ ich mich sofort wohl gefühlt, weil alle mich ganz herzlich aufgenommen haben. Je länger ich da war, umso mehr Spaß hat es gemacht und mittlerweile sind meine beiden Brüder und meine Cousine auch hier. Mit Adriane war ich in der Grundschule und in der weiterführenden Schule haben wir uns aus den Augen verloren. Der Bahnhof und die Arbeit im Team haben uns wieder zusammen gebracht. Das finde ich besonders schön: dass man nicht nur neue Leute trifft, sondern auch Leute wiederfinden kann.

Adriane: Ich war in der 5. Klasse der Realschule in Wolbeck, als zwei Mädchen Webung für die erste Mädchengruppe gemacht haben. Meine beiden besten Freundinnen wollten unbedingt dorthin – und heute bin ich seit Tag Eins der ersten Mädchengruppe dabei. Als ich dann 15 oder 16 war, bin ich zum ersten Mal dienstags mit zum Team-Meeting gekommen. Das war auch etwa zu der Zeit, als ich gefragt wurde, ob ich selbst eine Mädchengruppe übernehmen will. Sowohl das als auch die Aufsichten bei den Partys am Freitag habe ich total gerne gemacht und bin so immer weiter ins Team ‘reingewachsen.

Adriane: Für die Mädchengruppe ist es glaube ich schon wichtig. Die sind 12 und 14 Jahre alt und in der Gruppe wird viel gequatscht, gebastelt, gekocht und gebacken. Klar backen auch Jungen und klar interessieren sich auch Mädchen für Technik. Trotzdem gibt es in dem Alter Themen, die Mädchen und Jungen unter ihresgleichen erleben oder besprechen wollen. Fragen, die ihren Körper betreffen zum Beispiel. Wir haben deshalb irgendwann einmal geregelt, dass die Mädchen dienstags und die Jungen donnerstags eine Stunde unter sich sind.

Franziska: Zeitweise waren auch einige Flüchtlingsmädchen in der Gruppe. Die hätten wir ausschließen müssen, weil sie nicht in eine gemischte Gruppe durften. Damit die Eltern ein sicheres Gefühl hatten, haben wir sie sogar von zu Hause abgeholt und wieder zurück gebracht. Ansonsten fahren wir auch schon mal zusammen schwimmen oder klettern und organisieren ein bis zwei Mal im Jahr eine Übernachtung im Gruppenraum. Dann schlafen alle auf Luftmatratzen und wir kochen, quatschen und gucken Filme – worauf die Mädchen eben Lust haben.

Adriane: Trotz der Altersunterschiede ist das auch für uns cool. Was ich auch merke ist, dass viele Mädchen sich später auch im Team engagieren, seitdem die Gruppen dienstags stattfinden.

Adriane: Ich werde häufiger darauf angesprochen, ob ich das alles wirklich ehrenamtlich und unentgeltlich mache. Das ist oft gar nicht so einfach zu vermitteln. Jeder ist da ja anders eingestellt. Weil ich aber hier so viel Unterstützung und Hilfe zurückbekomme, habe ich noch nie darüber nachgedacht, für meine Mitarbeit hier Geld zu wollen. Klar ist Geld wichtig, aber hier ist das für mich einfach nur selbstverständlich, mitzumachen.

Clivia: Nein, Geld würde ich hier auch nie nehmen. Ich selbst habe hier Unterstützung erfahren. Jetzt, wo ich etwas älter bin, kann ich Jüngere unterstützen und meine Erfahrungen weiter geben. Das finde ich persönlich sehr schön.

Franziska: Das mit dem Geld geht mir genauso. Ich glaube, unabhängig von der guten Zeit, die wir Jugendlichen hier bieten, geben wir tatsächlich Vertrauen zurück. Und zwar an die Eltern von Jugendlichen. Wenn ich Mutter wäre, würde ich mein Kind ohne Sorge in den Bahnhof Wolbeck gehen lassen. Weil ich mich darauf verlassen könnte, dass da Menschen sind, die aufpassen und sich kümmern. Wir sind zum Beispiel sehr wachsam, dass Mädchen nicht blöd angemacht oder unangenehm bedrängt werden. Das verbreiten wir auf den Partys aktiv und ermuntern alle, sich bei uns zu melden. Passiert so etwas, ziehen wir die Jungs sofort aus dem Verkehr, holen die Mädchen nach oben und kümmern uns um sie. Gleiches gilt, wenn Jugendliche bei den Partys zu viel Alkohol trinken, Die holen wir auch sofort raus, kümmern uns und rufen die Eltern an.

Adriane: Ich bin während der Partys oben und kümmere mich um solche Fälle. Und dafür bekomme ich tatsächlich ganz viele positive Rückmeldungen – auch von den Eltern.

Kanello: Macht Ihr eigentlich Kurse oder Seminare, damit ihr mit solchen Situationen gut umgehen könnt?

Clivia: Ich glaube, dass wir da sehr viel von den Älteren gelernt haben. Solche Aufgaben macht man bei uns auch nicht, wenn man richtig jung ist. Da gibt es andere, leichtere Dienste. Dafür muss man schon einige Erfahrung haben. Da fällt niemand ins kalte Wasser.

Franziska: Security machen zum Beispiel grundsätzlich nur Leute ab 18 Jahre. Wenn die Partys freitags vorbei sind, dann treffen wir uns meistens noch an der Theke, lassen den Abend Revue passieren und reden über einzelne Situationen. Das hilft mir persönlich auch immer sehr weiter.

Adriane: Unsere Sozialarbeiter*innen haben schon mal ein Deeskalationstraining organisiert und dann haben wir uns eine Zeit lang einmal im Monat mit den Älteren getroffen und unsere Fragen besprochen. Bei den Teamabenden reden wir auch sehr viel mit unseren Sozialarbeitern und das geht es auch oft darum, bestimmte Situationen zu reflektieren. Die sind ja darin ausgebildet. Es gibt eigentlich immer die Möglichkeit, mit jemandem zu sprechen, der mehr Ahnung hat. Das finde ich sehr schön.

Franziska: Man bekommt mit der Zeit einen guten Blick für Situationen. Als erfahrene Security sehe ich zum Beispiel, ob ein neuer Kollege eine Situation alleine lösen kann, oder Unterstützung braucht. Und mit den anderen Erfahrenen muss ich oft gar nicht sprechen. Wir klären ganz oft nur durch Blickkontakt, wo wir

Adriane: Ich werde häufiger darauf angesprochen, ob ich das alles wirklich ehrenamtlich und unentgeltlich mache. Das ist oft gar nicht so einfach zu vermitteln. Jeder ist da ja anders eingestellt. Weil ich aber hier so viel Unterstützung und Hilfe zurückbekomme, habe ich noch nie darüber nachgedacht, für meine Mitarbeit hier Geld zu wollen. Klar ist Geld wichtig, aber hier ist das für mich einfach nur selbstverständlich, mitzumachen.

Clivia: Nein, Geld würde ich hier auch nie nehmen. Ich selbst habe hier Unterstützung erfahren. Jetzt, wo ich etwas älter bin, kann ich Jüngere unterstützen und meine Erfahrungen weiter geben. Das finde ich persönlich sehr schön.

Franziska: Das mit dem Geld geht mir genauso. Ich glaube, unabhängig von der guten Zeit, die wir Jugendlichen hier bieten, geben wir tatsächlich Vertrauen zurück. Und zwar an die Eltern von Jugendlichen. Wenn ich Mutter wäre, würde ich mein Kind ohne Sorge in den Bahnhof Wolbeck gehen lassen. Weil ich mich darauf verlassen könnte, dass da Menschen sind, die aufpassen und sich kümmern. Wir sind zum Beispiel sehr wachsam, dass Mädchen nicht blöd angemacht oder unangenehm bedrängt werden. Das verbreiten wir auf den Partys aktiv und ermuntern alle, sich bei uns zu melden. Passiert so etwas, ziehen wir die Jungs sofort aus dem Verkehr, holen die Mädchen nach oben und kümmern uns um sie. Gleiches gilt, wenn Jugendliche bei den Partys zu viel Alkohol trinken, Die holen wir auch sofort raus, kümmern uns und rufen die Eltern an.

Adriane: Ich bin während der Partys oben und kümmere mich um solche Fälle. Und dafür bekomme ich tatsächlich ganz viele positive Rückmeldungen – auch von den Eltern.

Kanello: Macht Ihr eigentlich Kurse oder Seminare, damit ihr mit solchen Situationen gut umgehen könnt?

Clivia: Ich glaube, dass wir da sehr viel von den Älteren gelernt haben. Solche Aufgaben macht man bei uns auch nicht, wenn man richtig jung ist. Da gibt es andere, leichtere Dienste. Dafür muss man schon einige Erfahrung haben. Da fällt niemand ins kalte Wasser.

Franziska: Security machen zum Beispiel grundsätzlich nur Leute ab 18 Jahre. Wenn die Partys freitags vorbei sind, dann treffen wir uns meistens noch an der Theke, lassen den Abend Revue passieren und reden über einzelne Situationen. Das hilft mir persönlich auch immer sehr weiter.

Adriane: Unsere Sozialarbeiter*innen haben schon mal ein Deeskalationstraining organisiert und dann haben wir uns eine Zeit lang einmal im Monat mit den Älteren getroffen und unsere Fragen besprochen. Bei den Teamabenden reden wir auch sehr viel mit unseren Sozialarbeitern und das geht es auch oft darum, bestimmte Situationen zu reflektieren. Die sind ja darin ausgebildet. Es gibt eigentlich immer die Möglichkeit, mit jemandem zu sprechen, der mehr Ahnung hat. Das finde ich sehr schön.

Franziska: Man bekommt mit der Zeit einen guten Blick für Situationen. Als erfahrene Security sehe ich zum Beispiel, ob ein neuer Kollege eine Situation alleine lösen kann, oder Unterstützung braucht. Und mit den anderen Erfahrenen muss ich oft gar nicht sprechen. Wir klären ganz oft nur durch Blickkontakt, wo wir

Adriane: Unbedingt! Jede*r ist immer herzlich Willkommen. Mädchen ab 12 können bei uns in die Mädchengruppe kommen. Jungen ab 12 in die Jungengruppen. Die Partys am Freitag sind auch gute Gelegenheiten, den Bahnhof kennen zu lernen. Für die Partys muss man allerdings 14 Jahre alt sein. Oder man kommt dienstags zum Team und bringt einfach eine Freundin oder einen Freund mit, wenn man nicht alleine kommen will. Leute, die mitmachen wollen, können wir immer gebrauchen.

Clivia: Ansonsten stehen ganz viele Infos über unsere Angebote auch auf unserer Homepage.

Vielen Dank für Eure Offenheit und dieses tolle Gespräch!