Jana ist links, Ella rechts. Foto: © Kanello.net

Mit Teamgeist für den Jugendsport

Wer in Münster aktiven Vereinssport betreibt, stößt über kurz oder lang auf den Stadtsportbund Münster. Er ist der übergeordnete Zusammenschluss aller eingetragenen Sportvereine in Münster. Neben vielen anderen Aufgaben vertritt er in der „Sportjugend“ auch die Interessen von rund 28.000 jungen Sportler*innen aus Münster. Diese sind in ihren jeweiligen Vereinen aktiv, engagieren sich aber zum Teil auch ehrenamtlich. Zum Beispiel, indem sie andere Jugendliche trainieren, Ferienprogramme begleiten oder im weitesten Sinne Sportpolitik für junge Münsteraner*innen machen.

Ella Büning und Jana Winkeljann sind zwei dieser jungen Menschen, die sowohl Sport betreiben, als auch ehrenamtlich aktiv sind. Ella ist mit dem Turnen in einer Disziplin zu Hause, in der mal ihre Leistung als Einzelsportlerin zählt und mal die der gesamten Mannschaft. Auch im Volleyball, den Jana aktuell als Wettkampfsportart betreibt, geht ohne Mannschaftsgeist nichts. „Nebenbei“ fährt sie leidenschaftlich gerne Ski und segelt hin und wieder. In der Kanello-Redaktion erzählten die beiden, wie sie zum Sport gekommen sind, was genau sie ehrenamtlich machen und was dieses Engagement ihnen bedeutet.

Ella Büning: Ich habe als Kind schon immer im Wohnzimmer geturnt. Meine Mutter hat dann gesagt, das dürfte ich nur noch, wenn ich in einen Turnverein gehe. Weil meine Schwester damals schon im TSC turnte, habe ich dort ein Training mitgemacht. Seitdem bin ich dabei. Ich turne alle Frauengeräte, das heißt Boden, Balken, Sprung und Barren – wobei mir Stufenbarren und Schwebebalken am besten gefallen. Im Wettkampf muss ich aber alles turnen, weil das Ergebnis sich aus allen Einzeldisziplinen zusammensetzt.

Jana Winkeljann: Ich fahre Ski, segle und spiele Volleyball. Mit fünf Jahren bin ich jeweils für ein Jahr geschwommen und habe Tennis gespielt. Tennis eigentlich erst einmal nur, weil der Platz unmittelbar neben unserem Haus liegt. Ähnlich war es später mit dem Reiten, weil es bei uns in Amelsbüren gleich vier Reitvereine gibt. Zum Ski fahren und zum Segeln bin ich mit sechs Jahren gekommen. Meine ganze Familie ist im Skiclub Münster aktiv und dort bin ich inzwischen auch Skitrainerin und Jugendwart. Segeln habe ich im Hiltruper Segelclub gelernt und auch wenn ich schon aktivere Zeiten hatte, bin ich dort heute Trainerin und Mitglied im Jugendvorstand. Nachdem ich eine Zeit lang beim USC Münster Volleyball gespielt habe, spiele ich aktuell sehr aktiv beim ASV Senden.

Jana: Mich hat das einfach interessiert. Mein erster Einsatz dürfte als Traineraushilfe beim Segeln gewesen sein. Beim „Jüngstenschein“ sitzt man dort als Begleitung mit im Boot und passt auf. Dann kam die Ausbildung zur Skitrainerin. Beim Stadtsportbund bin ich dann über die Ausbildung zur Sporthelfer*in und zur Gruppenhelfer*in schließlich zur Vereinsarbeit bei der Sportjugend gekommen. Dort bin ich heute im Vorstand.

Ella: Ich bin über ein Praktikum zur Sportjugend gekommen. Dort habe ich viele Projekte kennen gelernt, die mir sehr gut gefallen haben und seitdem mache ich dort auch über das Praktikum hinaus mit. Die „bewegten Kids“ sind zum Beispiel eine Ferienfreizeit, die ich als Teamerin begleite. Um für die Spielesammlung bei den „bewegten Kids“ neue Spiele auszusuchen, konnte ich während des Praktikums zum Beispiel mit zur Spiele-Messe nach Essen fahren. Der „Bäder-Check“ war auch interessant: Dabei haben wir alle Münsteraner Hallenbäder untersucht und geschaut, wie gut sie für Jugendliche geeignet sind und was man vielleicht verbessern kann.

War das aufwändig? Wie seid Ihr an das Thema herangegangen?

Jana: Erst haben wir überlegt, welche Merkmale unserer Meinung nach ein jugendgerechtes Bad haben sollte. Dann haben wir für die Themen „Hygiene“, „Erreichbarkeit“, „Spaßfaktor“, „Pausenverpflegung“ und „Sport“ noch einmal Kategorien gebildet und dann jedes Bad mit einem Punktesytem bewertet. Beim Thema Spaßfaktor haben wir zum Beispiel geschaut, ob es Spielzeuge oder eine Rutsche gibt oder auch einen Außenbereich. Bei der Auswertung haben wir dann zum Beispiel den „Spaßfaktor“ stärker berücksichtigt, weil wir ihn für Jugendliche besonders wichtig fanden. Während der Checks haben wir auch gefilmt und daraus ist am Ende ein Film entstanden, den wir bei einem Videoabend vorgestellt haben.

Beim Bäder-Check habt Ihr beide mitgemacht. Was hattet Ihr Euch von diesem Projekt erhofft und wie ist es am Ende gewesen?

Jana: Wir hatten zuerst gar keine Erwartung. Wir wollten den Film zeigen und haben dazu auch Einladungen an die Parteien, die Stadtverwaltung und anderer Gremien versendet. Am Ende hatten wir dann doch ganz schön wichtige Gäste. Neben dem Vorstand des Stadtsportbundes war je ein Vertreter der CDU, der SPD und der Grünen dabei. Außerdem sind der Leiter der Bäderabteilung im Sportamt Münster und eine Vertreterin des Schwimmverbandes NRW gekommen. Was ich wirklich cool fand, ist, dass alle mit uns diskutiert haben.

Ella: Am besten abgeschnitten haben am Ende das Ostbad und das Stadtbad Mitte. Trotzdem haben wir festgestellt, dass es in Münster kein Hallenbad gibt, in dem Jugendliche sich richtig gut lange aufhalten können.  Das haben wir der Politik berichtet und ich hatte den Eindruck, dass man uns zuhört. Das war ein gutes Gefühl. Kurz darauf hat die Ratsfraktion der SPD uns dann zu einer Sitzung eingeladen und auch die CDU und die Grünen haben Gespräche angekündigt.

Jana: Erst einmal habe ich mich an diesem Abend ernst genommen gefühlt. Weil wir offen miteinander geredet haben, habe ich aber auch einige Argumente der Stadt und der Politiker verstanden, die ich vorher nicht nachvollziehen konnte. Das heißt nicht, dass ich die Argumente teile, aber solche Aktionen helfen auf jeden Fall beim Verständnis von Politik. Man kann einfach nur dann einen Weg finden, wenn man miteinander redet. Und wenn man für den Jugendsport insgesamt etwas erreichen will, dann ist es wichtig, mit denjenigen zu reden, die gewählt worden sind oder die Entscheidungen treffen können.

Jana: Ich glaube, dass man selbst aktiv werden muss und dass man nicht erwarten kann, dass die Gesellschaft funktioniert, wenn man nicht selbst seinen Teil dazu gibt. Jeder soll dabei das tun, woran er Spaß hat und bei mir sind das die Organisation und die Jugendpolitik, aber auch die Arbeit mit Jugendlichen. Ich mag es, wenn sie Spaß haben und lachen. Ich mag es, wenn ich mitverfolgen kann, wie sie sich entwickeln und sich in ihrer Gruppe wohl fühlen. Sie erleben dann einen guten Teamgeist und finden Freunde über den Sport. Bei den „bewegten Kids“ ist es auch manchmal so, dass einige Kinder und Jugendliche erst einmal für sich entdecken, wie viel Freude Bewegung machen kann. Die Ferienfreizeit ist ein offenes Angebot und kostet nur einen Euro am Tag. Da kommen jeden Tag 180 Kinder und darunter sind auch immer welche, die gar nicht sportlich sind. Trotzdem: Wenn sie dann erleben, wie viel Spaß das machen kann, dann wollen sie das auch. Das finde ich toll.

Ella: Ich sehe das genauso und finde noch gut, dass man nicht nur im Sportverein, sondern auch in bei der Jugendarbeit so viele neue Leute kennen lernt. Dadurch kommt man immer wieder mit anderen Themenbereichen in Kontakt. In den Projekten arbeiten auch oft dieselben Leute zusammen und es entwickelt zum Mannschaftsgeist im Sport auch ein Teamgeist in der Projektarbeit.

Ihr seid jetzt 15 und 18 Jahre alt. Wie sehen Eure Perspektiven aus? Sollen der Sport oder die Politik bei Euch auch beruflich eine Rolle spielen?

Ella: Erst mal bleibe ich bei der ehrenamtlichen Arbeit, so lange sie mir Spaß macht und wie ich sie in meine Zukunft einbauen kann. Beruflich ist es für mich noch zu früh. Mein Beruf kann mit Sport zu tun haben, aber ich kann mir im Moment vieles vorstellen.

Jana: Ich mache nach dem Abi erst einmal mein FSJ beim Stadtsportbund. Ich möchte später im sozialen Bereich arbeiten, bin aber da im Moment noch auf der Suche. Aktuell bewerbe ich mich außerdem darum, Vorsitzende der Sportjugend zu werden. Die Wahl findet am 25.März statt, wenn die Jugendvorstände aller Münsteraner Sportvereine zur Jugendvollversammlung zusammenkommen. Wenn man so will, ist das auch ein politisches Amt, nur eben nicht in einer Partei.

Und es ist noch ein weiteres Ehrenamt. Wie sieht dein Programm aus?

Jana: Die Sportjugend macht vor allem außersportliche Jugendarbeit und ich setze mich auf jeden Fall wieder für die Ferienbetreuung, das Spielefest im Südpark und das „Kinderbewegungsabzeichen“ beim Weltkindertag ein. Zwei jugendpolitische Projekte sind mir besonders wichtig: Das eine ist ein „Parteien-Check“, zu dem wir alle Parteien, die im aktuellen Rat der Stadt Münster in Fraktionsstärke vertreten sind, zu ihren Programmen und ihren Werten interviewen möchten. Wir wollen damit Politikern auch Fragen stellen, die Jugendliche interessieren. Interessierten Schulen stellen wir die Ergebnisse zur Verfügung, so dass sie sie in den Unterricht einbauen können. In diesem Projekt sind wir aktuell in der Planungsphase. Das zweite Projekt ist wegen Corona leider nicht mehr machbar, weil wir dazu das Riesenrad auf dem Sommer-Send bräuchten. Dort sollte es in einer Gemeinschaftsaktion von mehreren Jugendverbänden aus Münster eine Aktion zu den Kommunalwahlen im September geben. Mal schauen, was wir uns jetzt einfallen lassen.

Jana: „Demokratie und Respekt“ ist eine Kampagne der Landessportjugend, die wir schon länger unterstützen und die ich auf jeden Fall weiterverfolgen möchte. Ende Februar sind wir nach Berlin gefahren und hatten dort ein Programm mit ganz verschiedenen Blickwinkeln auf die beiden Themen. Wir haben uns zum Beispiel die Gedenkstätte Bergen-Belsen und das Olympiastadion angeschaut und mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine  Diskussionsrunde über Demokratie gehabt. Außerdem wurde in einem spannenden Planspiel der Kohleausstieg neu verhandelt und so Demokratie live erlebt.

Ella: Beim Fußball ist es für die Trainier zum Teil sehr schwierig, wenn sie umstrittene Entscheidungen treffen. Im Publikum sind dort auch häufiger Aggressionen gegenüber der gegnerischen Mannschaft im Spiel. Es macht aber einen großen Unterschied, ob man während eines Spiels den Gegner beleidigt oder ob man die eigenen Leute stützt. Mein Eindruck ist, dass es bei Sportarten wie Basketball, Volleyball oder Handball zum Beispiel eher so ist, dass die Fans nur die eigene Mannschaft anfeuern.

Jana: Jede*r wird bei uns aufgenommen, kann teilhaben und wird akzeptiert, wie er oder sie ist. Für mich kann ich sagen, dass es eine Persönlichkeitsentwicklung war, bei der Sportjugend aktiv zu werden. Bevor ich mit der Gruppenhelfer-Ausbildung begonnen habe, war ich sehr schüchtern. Wirklich sehr schüchtern. Mit jedem Projekt und mit jeder Erfahrung ist dann mein Selbstbewusstsein weiter gewachsen. Eine Moderation vor 200 Gästen zu machen oder einen Vortrag vor Professoren, Lehrern und Schülern zu halten – das wäre für mich früher undenkbar gewesen.

Ella: Man sagt ja, dass man mit jeder Herausforderung wächst und Selbstbewusstsein gewinnt. Das kann ich nur bestätigen. Das Gute bei meinem Praktikum war zum Beispiel, dass ich Aufgaben bekommen habe, die mir nicht nur Spaß gemacht haben, sonder auch gefordert haben. 

Ganz herzlichen Dank, dass Ihr für Kanello einen Einblick in Eure ehrenamtliche Arbeit gegeben habt. Viel Erfolg dafür auch weiterhin.