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Cybergrooming

Du wurdest online von einem total netten Typen angeschrieben – er schmeichelt dir, macht dir Komplimente und zeigt offensichtlich an dir Interesse. Das ist natürlich erstmal total aufregend! Ihr habt dieselben Hobbies und Interessen und versteht euch einfach richtig gut. Obendrein will er dir Geschenke machen oder dir Geld schicken – total nett, oder?

Doch aufgepasst! Hinter dieser Masche könnte eine „Cybergrooming“-Falle stecken, der in einem sexuellen Missbrauch enden kann! Nicht hinter jedem augenscheinlich netten Kontakt verbirgt sich eine gute Absicht. Vor allem, wenn es sich um eine dir fremde Personen handelt, ist Vorsicht geboten. Hier erfährst du, wie du diese Masche erkennst und wie du dich vor ungewollten sexuellen Angriffen im Netz schützen kannst.

Was versteht man unter Cybergrooming?

Cybergrooming bezeichnet die Vorbereitung sexuellen Missbrauchs an Jungen und Mädchen im Netz (Grooming ist Englisch und bedeutet „pflegen, vorbereiten“). Die Täter (es sind fast ausschließlich männliche Täter) gehen dabei meist strategisch vor: sie suchen online den Kontakt, gewinnen Vertrauen, machen Versprechungen oder bieten Geschenke und wollen daraufhin zu sexuellen Handlungen online oder zu realen Treffen auffordern. Stück für Stück versuchen die Täter, die Bekanntschaft intensiver werden zu lassen, indem sie allmählich auf private Chats umsteigen wollen, nach einen Webcam-Kontakt fragen und persönliche Daten wie Fotos, Wohnort oder Telefonnummern erhalten wollen. Sie zielen darauf ab, intime Fotos oder Videos von dir zu erhalten oder dich zu sexuellen Handlungen im Chat aufzufordern, die sie dann oft heimlich mitfilmen. Fotos oder Mitschnitte werden dann meist als Druckmittel verwendet, um dich um weitere Darstellungen oder zu einem realen Treffen zu erpressen.

Übergriffe dieser Art können überall dort passieren, wo online gechattet werden kann. Also auf Social-Media-Diensten wie TikTok, Facebook und Instagram, bei Messengern, in Foren oder Onlinespielen. Typischweise geben die Täter vor, ungefähr im gleichen Alter wie du zu sein und täuschen gleiche Hobbies oder Interessen vor, die sie vorher bei dir erfragt haben. Auffällig wird es auch, wenn der Kontakt dich bittet, niemandem von der Bekanntschaft zu erzählen.

Das sind die Warnzeichen

  • Das Gespräch wird auf Sexualität bzw. bisherige sexuelle Erfahrungen oder deinen Entwicklungsstand gelenkt
  • Dir werden Geldgeschenke oder andere „Vorteile“ (zum Beispiel in Online-Spielen) angeboten
  • Dein Chatpartner verlangt, dass du Bilder oder Videos von dir verschickst oder die Webcam genutzt werden soll
  • Der Täter sendet dir unaufgefordert pornografisches Material zu
  • Dein Chatpartner schlägt vor, auf privatere Kommunikationskanäle (z.B. Skype oder andere Messenger, E-Mail, Telefon) umzusteigen und erfragt persönliche Kontaktdaten von dir
  • Der Kontakt schlägt ein reales Treffen vor

Was tun, wenn Verdacht auf Cybergrooming besteht?

Treffen alle oder einige Punkte auf deinen Chatpartner zu? Dann solltest du den Kontakt sofort abbrechen und den Nutzer gegebenenfalls blockieren und melden. Vertrau dich einer Person an, mit der du offen darüber reden kannst. Dies können deine Eltern oder eine beziehungsberechtigte Person sein, Vertrauenslehrer:innen, Schulmitarbeiter:innen oder Ansprechpartner:innen in Jugendzentren, Krisenhilfen etc. Mehr dazu erfährst du unten unter „Einrichtungen“.

Da es sich bei Cybergrooming um eine Straftat handelt, solltest du deinen Verdacht bei der Polizei melden. Auch dabei kann dir eine Vertrauensperson helfen. Die Polizei wird dich außerdem beraten, wie du weiter verfahren kannst. Keine Sorge: dich trifft dabei KEINE Schuld! Es ist ein guter und mutiger Schritt, darüber zu sprechen und sich Unterstützung zu holen - auch, damit dies nicht noch weiteren Mädchen und Jungen passiert.

Weitere Informationen, interessante Kampagnen und Initiativen haben wir in dieser Rubrik für dich zusammengestellt.