Inga, Lukas und Johannes sind Messdiener – und Messdienerleiter in der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser. Was sie dort tun, geht weit über das reine „Messe dienen“ hinaus und hat immer etwas mit Gemeinschaft zu tun. Sie leiten Messdienergruppen, helfen bei Veranstaltungen, begleiten Ferienfreizeiten und Prozessionen, regen Kommunionkinder oder Konfirmanden zu neuen Formen des Betens an – und diskutieren natürlich auch über Gott und die Welt. Damit sind sie nicht allein, denn neben Inga, Lukas und Johannes gibt es in Liebfrauen-Überwasser viele junge Menschen, die sich engagieren. Denn Liebfrauen-Überwasser ist groß: zu ihr gehören die Gemeinden Innenstadt-Überwasser, Gievenbeck-St.-Michael, Nieneberge und Sentruper Höhe. Alleine in den Gemeinden Innenstadt-Überwasser und Gievenbeck-St. Michael, in denen Inga, Lukas und Johannes aktiv sind, gibt es etwa einhundert Messdiener. Und rund ein Drittel sind Messdienerleiter wie sie. Kanello sprach mit ihnen darüber, was sie genau tun, wie sie Messdiener geworden sind und was Menschen bewegt, die in der heutigen Zeit in der katholischen Kirche aktiv sind.

Lukas: Ich bin schon Messdiener, seitdem ich mit neun Jahren zur Kommunion gegangen bin. Das heißt, ich bin den gesamten Messdienerweg gegangen und als ich 15 wurde, auch Messdienerleiter geworden. Das mache ich jetzt seit drei Jahren. Mein Vater ist gebürtiger Gievenbecker und war selbst Messdiener, so dass ich praktisch familiär vorgeprägt bin. 

Inga: Ich bin jetzt 17 und vor etwa eineinhalb Jahren gleich als Leiterin eingestiegen. Meine beiden jüngeren Geschwister sind schon seit ihrer Erstkommunion dabei, aber als ich jünger war, war ich nie so begeistert davon, viel Zeit mit anderen Jugendlichen zu verbringen. Der Firmunterricht hat dann mein Interesse für die Jugendarbeit geweckt und den Ausschlag dafür gegeben, Messdienerin zu werden. Dieser Aspekt interessiert mich nach wie vor am meisten.

Johannes: Ich komme ursprünglich aus Altenberge und bin hierhergezogen, als meine Mutter Pastoralreferentin in der heutigen Gemeinde Überwasser wurde. Für mich haben der Kirchgang und später dann auch das Messe dienen immer ganz selbstverständlich zum Leben dazu gehört. Bis heute mache ich das gerne, aber die Gewichtung hat sich verschoben: Mittlerweile steht für mich das Gruppenleben mehr im Vordergrund. Mit Freunden in einer Gemeinschaft zusammen zu sein, Spaß zu haben, das bedeutet mir viel.

Lukas: Als Kind kann man an ganz vielen Aktionen der Gemeinde teilnehmen. Die werden zum Beispiel von den Messdienerleitern organisiert und betreut. Dann kümmern sie sich um die Gruppenstunden, in denen sich die Messdiener untereinander treffen. Und schließlich helfen sie auch, andere Angebote der Pfarrei zu unterstützen: Es gibt eine Jugendbetreuung und ein Ferienlager, bei dem alle Messdienerleiter als Aufsicht mitfahren. Das Ferienlager ist konfessionsübergreifend und offen für alle Kinder und Jugendliche – auch für Jugendliche außerhalb der Pfarrei. Die Ferienlager sind sehr beliebt und immer schnell ausgebucht.  Wer also mitfahren will, muss sich früh anmelden.

Johannes: Leiter können alle Messdiener werden, die 15 Jahre oder älter sind. Nach oben gibt es im Prinzip keine Grenze. Die meisten hören jedoch auf, wenn sie mit dem Studium anfangen oder später im Bachelor sind.

Johannes: Ganz konkret bringen Messdiener zum Beispiel Kelch und Schale zum Altar und die Evangeliarleuchter stehen mit einer Kerze neben dem Pult, wenn das Evangelium vorgelesen wird. Früher haben sie damit Leselicht gegeben, heute gibt es natürlich Lampen. Dann gibt es noch den Weihrauchdienst oder den Kreuzdienst. Die kommen eher bei größeren Messen zum Einsatz. Dann geht zum Einzug in die Kirche ein Messdiener mit einem großen Kreuz voran. Das große Ereignis, auf das wir als Messdiener persönlich zusteuern, ist die Einführung; bei der bekommt jeder sein eigenes Holzkreuz.

Lukas: Neben den Gottesdiensten gibt es auch noch Prozessionen. Fronleichnamsprozessionen zum Beispiel oder die Stadtwallfahrt nach Telgte. Sie wird von unserem Pfarrer hauptamtlich organisiert und da übernehmen wir nicht nur spirituelle Aufgaben, sondern auch die Straßensicherung. Das gilt für eine normale Stadtwallfahrt, bei der immer so um die 100 Personen mitgehen. Bei größeren Prozessionen ist auch die Polizei eingebunden; das war zum Beispiel beim Katholikentag 2018 in Münster so.

Inga: Auf all das wird man von je zwei bis drei Messdienerleitern in Gruppenstunden vorbereitet. Dazu trifft man sich einmal in der Woche und dort lernt man konkret, was man wann im Gottesdienst machen muss. Aber es geht auch darum, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen und sich besser kennen zu lernen. Spiele zu spielen und Aktionen zu machen.

Johannes: Die Jugendlichen in meiner Gruppe sind seit über einem Jahr „fertige“ Messdiener und waren jetzt länger nicht in der Kirche. Wir haben in letzter Zeit eher gespielt und gebastelt. Das war wichtig, um ein Gruppengefühl zu entwickeln. Die Jugendlichen in einer Gruppe kommen meist von verschiedenen Schulen und kennen sich vorher nicht. Außerhalb der Gruppenstunden treffen sie sich auch nicht zwingend. Das kommt eher mit der Zeit.

Johannes: Früher wurde man ja gerne auch mal von den Eltern oder vom Pfarrer zum Dienst gedrängt. Wahrscheinlich hat sich deshalb vor allem geändert, dass wir heute eine große Gruppe Jugendlicher sind, die aus Freude Messe dient und die auch als Freunde zusammen sind.

Lukas: Wir begleiten die Erstkommunionkinder auch auf ihrer Kommunionfahrt. Einerseits als Betreuer, andererseits bereiten wir dafür auch liturgische Stationen vor. Das Thema bei der letzten Fahrt war zum Beispiel „beten“. Dazu haben wir nicht nur das klassische Beten, sondern ganz verschiedensten Formen des Betens vorgestellt: Johannes hat Klavier gespielt und gesungen. Bei mir ging es um Stille und an anderen Stationen wurden Papierboote gebastelt oder Papiere gefaltet, die dann später verbrannt wurden. Als beten zu Gott.

Johannes Es ist offener geworden. Auf den Ferienfreizeiten haben wir auch schon mal Strandgottesdienste gefeiert oder Lagerfeuer gemacht und dort gesungen. Wir haben in der Gemeine mehrere Priester und derjenige, der uns als Ansprechpartner zugeteilt ist, besucht uns auch auf den Ferienfreizeiten. Wir bleiben ja nicht in Münster, sondern fahren auch weiter weg – nach Ameland oder Koblenz zum Beispiel.

Lukas: Wir fahren nicht mit dem Gedanken los, alles revolutionieren zu wollen, aber wir beziehen vieles, was wir machen, auf uns und bringen uns selbst ein. Alleine dadurch wird vieles automatisch freier. Einmal im Jahr fahren wir zum Beispiel auf ein Leiterwochenende. Das ist ein großes Planungswochenende, an dem wir auch solche Sachen wie Team-Building machen. Dort gehen wir dann auch gemeinsam in den örtlichen Gottesdienst und sprechen anschließend darüber. Wie wir die Predigt fanden. Wie der Priester gesprochen hat. Wir reden einfach locker darüber und bringen so unsere eigenen Ideen ein.

Johannes: Irgendwann kommt man ja in ein Alter, an dem man sich fragt, ob man das richtig oder gut fand, was gepredigt wurde. Die Leiterrunden bieten sich dazu super an und werden auch dazu genutzt. Da geht es dann schon darum, die eigenen Positionen zu hinterfragen oder zu festigen.

Lukas: Am Ende eines Leiterwochenendes gibt es oft Einladungen zu Veranstaltungen der Gemeinde. Bei einem dieser Wochenenden sagte eine Lektorin: „Wir laden alle Singles, Familien und andere Lebensformen ein.“ Erst haben wir geschmunzelt und anschließend haben wir darüber gesprochen, wie schwierig es scheinbar ist, klar zu sagen, dass es auch gleichgeschlechtliche Beziehungen gibt – die nicht in ein bestimmtes Schema hineinpassen. Das wäre so ein Beispiel, wie wir darüber reflektieren und uns eine eigene Meinung dazu bilden.

Kanello: Das Thema ist ja tatsächlich für die Kirche nicht einfach. Wie weit gehen denn nach Eurem Empfinden die katholische Theorie und die Realität in den Gemeinden auseinander?

Johannes: Bei uns ist das Thema ganz einfach: Wir haben sämtliche Menschen bei uns und sind inklusiv und divers. Wenn wir auf den Ferienfreizeiten Theater spielen, spielen Mädchen männliche Rollen oder anders herum. Wir hatten auch schon Wochenenden, da haben die Leiter die Geschlechterrollen getauscht. In dieser Beziehung sind wir sehr frei und tolerant.

Inga: Die Institution Kirche ist in ihren Strukturen sicher noch viel konservativer, als wir es hier an der Basis sind. Anderswo mag das anders sein, aber unsere Gemeinde erlebe ich als sehr offen und tolerant.

Johannes: Die kritischen Diskussionen entstehen ja oft, weil an ganz anderer Stelle in der Kirche jemand etwas verlautbart. Das bekommen wir dann wie alle anderen durch die Nachrichten mit, aber mit uns hier vor Ort hat das wenig zu tun.

Lukas: Auf dem Katholikentag in Münster gab es ja auch viele Diskussionsveranstaltungen zu weltlichen Themen. Ich glaube, dass die Menschen das als äußerst positiv wahrnehmen, wenn in der Kirche diskutiert wird – auch oder gerade, wenn es kontrovers zugeht.

Johannes: Das war ein echt krasses Gefühl auf dem Katholikentag. Ich wohne direkt am Überwasserkirchplatz und  wenn ich aus der Haustür kam, bin ich praktisch sofort in einen Strom voller Menschen eingetaucht, die alle etwas mit Kirche, Gott oder Religion zu tun haben. Egal, welcher Konfession sie angehörten: Man war einfach zusammen. Bei den großen Gottesdiensten stand der gesamte Schlossplatz voll und es gab ein riesiges Chorkonzert. Und man selbst war mitten drin. Das war schon bewegend.

Lukas: Ich habe den Eindruck, dass man immer noch oft belächelt wird, wenn man Messdiener und gläubig ist. So nach dem Motto: „Und? Wie sieht’s mit Dir und dem Priester aus?“ Solche Anspielungen kommen gerne mal. Aber selbst wenn in der Bibel alles erstunken und erlogen ist, bleibt Jesus zum Beispiel für mich eine ziemlich coole und beeindruckende Figur. Er verkörpert für mich eine Idee, die man eigentlich nur unterstützen und an der man sich ein Vorbild nehmen kann. Natürlich kann man vollkommen zu Recht in Frage stellen, was die Katholische Kirche alles gemacht hat. Aber die Botschaft, die sie eigentlich überbringen soll, finde ich sehr gut.

Johannes: Die Bedeutung der Figur von Jesus kann ich voll unterstützen. Für mich gehört aber auch das Infragestellen dazu. Gibt es da tatsächlich niemanden, der immer und überall dabei ist und auf den man setzen kann? Ich persönlich komme dabei immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich mir das nicht anders vorstellen kann – oder auch will. Der Kirchgang ist für mich ein Ritual, das ich gerne mache, aber ob der Glaube am Ende durch eine Gemeinschaft getragen wird oder auch alleine funktioniert, finde ich am Ende nicht so entscheidend. Für mich lohnt sich aber auf jeden Fall der Gedanke.

Inga: Für mich ist die Vorstellung, dass es keinen Gott gibt, eine viel schwierigere Vorstellung, als die Idee, dass da noch etwas Größeres um uns herum ist. Auch wenn man sich dieses „Größere“ vielleicht nicht rational erklären oder konkret vorstellen kann, beruhigt mich dieser Gedanke.

Johannes: Ich denke, niemand von uns geht davon aus, dass Gott die Welt ganz alleine erschaffen hat und dass die Evolutionstheorie und der Urknall totaler Mist sind. Will sagen, es geht weniger um das Bild, das die Bibel direkt vermittelt, als um den persönlichen Gott, der für jeden individuell da ist.

Lukas: Ich würde schon sagen, dass wir, wenn wir uns über das Christentum unterhalten, vor allem von Jesus ausgehen und uns in unseren Gesprächen weniger auf einen Gott beziehen. Wenn wir zum Beispiel Messdiener sind, dann sind wir das, weil da eine Person wie Jesus war, die diesen Glauben so geprägt hat und nicht, weil wir zwingend diesen Gottesglauben haben. Gott gehört zum großen Ganzen dazu aber in der Gemeinschaft geht es eher um Ideen und Vorstellungen, die Jesus und nicht Gott geprägt hat.

Johannes: Die Frage ist ja, warum wir Gemeinschaften bilden. Da geht es um Nächstenliebe und darum, anderen zu helfen. Und das kommt klar von Jesus.

Inga: Ich glaube, durch die Jugendarbeit und das Schaffen der Gemeinschaft, in der niemand ausgeschlossen ist. Es gibt keinen Grund, warum man nicht Teil dieser Gemeinschaft sein kann, wenn man das möchte. An der Stelle finde ich schon, dass wir helfen.

Lukas: Es geht ja auch darum, dass jeder etwas persönlich für sich mitnehmen kann und danach handelt. Durch die Jugendarbeit haben wir schon Einfluss auf Kinder und werden vielleicht auch als Vorbild wahrgenommen. Ich glaube, wir tun das oft gar nicht bewusst; es geht mehr darum, eine Einstellung oder ein Menschenbild zu vertreten und vorzuleben. Das Interessante ist: Wenn man mal Leute fragt – was ich schon einige Male gemacht habe – lehnt keiner Jesus als Figur ab.  Irgendwie möchte jeder so sein wie Jesus, aber nicht alle trauen sich. Und dadurch, dass wir hier in der Gemeinde sind, erinnern wir uns eben daran, dass wir eigentlich so sein wollen und diese Figur zum Vorbild haben. Wir probieren hier immer wieder aktiv daran zu denken, wie wir sein wollen.

Johannes: Diese offene Haltung ist glaube ich das, was wir vorantragen. Dass man tatsächlich niemanden ausschließen muss. Wir machen als Gruppenleiter einen einwöchigen Kurs, damit wir auf bestimmte Situationen vorbereitet sind. Zum Beispiel, wenn jemand kommt und sich mit einem Problem an uns wendet. Damit wir einschätzen können, wie wir den Jugendlichen helfen können. Wann wir das besser weiterleiten und wie wir auch persönlich damit umgehen – je nachdem, um was es geht.

Lukas: Wir lernen Spiele und Anleitungen und pädagogische Sachen, die wichtig sind und wir lernen, uns persönlich einzuordnen in dem, was wir tun. Wir tragen ja auch Verantwortung und müssen lernen, damit umzugehen. Daneben gibt es Erste-Hilfe-Kurse und wenn man auf ein Sommerlager mitfahren will, braucht man noch eine Hygieneschulung.

Johannes: Wir tragen ja nicht nur Verantwortung für uns, sondern insbesondere für Kinder. Das wollen wir den Hauptamtlichen und den Eltern natürlich auch zeigen: Dass die Messdienerleiter es schaffen, diese Verantwortung zu tragen.

Lukas: Ich war ein eher schüchternes Kind und habe in der Leiter-Runde ganz viel Selbstvertrauen gewonnen. Man bekommt zum Beispiel Rückmeldungen von Menschen, von denen man das früher nie gedacht hätte. Das Selbstvertrauen wächst einfach, wenn man merkt, dass tatsächlich ankommt, was man macht.

Inga: Ich war auch früher sehr schüchtern. Das war auch der Grund, warum ich als Kind nie Messdienerin war. Ich hätte damals die Spiele und Aktionen nicht so toll gefunden. Seitdem ich dann vor eineinhalb Jahren in die Leiter-Runde gekommen bin, habe ich mich ziemlich weiter entwickelt. Ich bin mittlerweile Vorstand und das hätte ich mir früher nie zugetraut. Außerdem bekommen wir von den Eltern eine ganze Menge zurück. Nach einer Ferienfreizeit haben sie zum Beispiel Spenden gesammelt, damit wir als Leiter etwas schönes zusammen unternehmen konnten. Aber auch sonst merkt man, wie sehr sie es wertschätzen, dass wir eine ganze Woche mit den Kindern verbringen. Man darf nicht vergessen, dass das für viele Kinder das Highlight der Sommerferien ist. Viele Eltern sind zudem froh, dass Alkohol bei uns keine Rolle spielt und lassen auch deshalb ihre Kinder beruhigt mitfahren.

Lukas: Wenn man sieht, wie die Kinder sich freuen, dann weiß man auch, warum es sich gelohnt hat, viel Zeit in die Vorbereitung investiert zu haben.

Johannes: Wir sind jetzt schon (Februar) in den Vorbereitungen für die Sommer-Ferienfreizeit. Bis es losgeht, gibt es noch eine ganze Reihe Planungstreffen. Außerdem fahren wir ein Wochenende an den Ort der Ferienfreizeit und schauen uns die Gegebenheiten vor Ort an. Die Organisation teilen wir unter uns auf – aber wir treffen uns auf regelmäßig, um alles zu koordinieren.

Inga: Es ist schon ziemlich aufwändig, die ganzen Spiele und Programmpunkte zu planen und alles zusammen zu bringen. Es dauert alleine zwei Tage, Karton zu packen und alles in die LKWs zu verladen, was wir mitnehmen müssen.  Und nachher muss ja auch wieder alles ausgepackt und in den richtigen Schrank sortiert werden.

Johannes: Als ich jünger war, waren die Messdiener-Leiter für mich die coolsten Leute. Für mich war es das absolute Highlight, mit 15 in die Leiterrunde zu dürfen. Im Rückblick war das gar keine Riesensache. Aber die waren halt cool und haben sich auf der Ferienfreizeit um uns gekümmert. Heute erlebe ich das selbst: dass die Kinder uns genau deshalb mögen, weil wir nicht nur auf sie aufpassen, weil die Eltern sie geschickt haben, sondern weil wir uns wirklich um sie kümmern. Sie merken einfach, dass wir Bock darauf haben, sie zu betreuen. Das funktioniert sehr schön.

Lukas: Wir haben schon ganz viele tolle Geschichten erlebt, bei denen wir viel von den Kindern zurückbekommen haben. Einige sind ja erst neun, wenn sie zum ersten Mal mitfahren und eine Woche von zu Hause weg sind. Da ist Heimweh im Spiel und wenn wir uns dann um die Kinder kümmern, kann man förmlich sehen, wie sie aufblühen und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. 

Inga: Für meine Schwestern ist die Ferienfreizeit das absolute Highlight. Kaum ist die Ankündigungs-E-Mail ‘raus, heißt es am Anmeldetermin: um fünf Uhr aufstehen, damit sie nur ja einen Platz bekommen.

Lukas: Die Ferienfreizeit ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass Gemeinschaft und Religion bei uns Hand in Hand gehen. Zur Halbzeit der Ferienfreizeit feiern wir Bergfest und da gibt es eben auch einen Gottesdienst.  Während im Hintergrund noch die Handtücher vom Mittagessen trocknen, sitzen wir dann in Jogginghose und Badelatschen zusammen und feiern Gottesdienst.

Johannes: Genau. Auch wenn wir nicht in der Kirche sitzen, bringen wir trotzdem den Respekt dazu auf.

Lukas: Ja, die Freizeiten sind grundsätzlich offen für alle. Wer sich dafür interessiert, findet auf der Homepage der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser dazu Informationen:

https://www.liebfrauen-muenster.de/gruppen/messdiener.html

Inga: Wer sich interessiert, kann auch versuchen, uns hier vor Ort zu erwischen. Wir treffen uns alle drei Wochen zu den Leiterrunden und die Gruppenstunden für die Messdiener sind einmal wöchentlich. Bis auf Donnerstag gibt es an jedem Tag mindestens eine Gruppenstunde.

Johannes: Man kann auch zu den Sehnsucher-Gottesdiensten kommen. Das sind reine Jugendgottesdienste, bei denen eine Band spielt und die eine für jungen Menschen angepasste Form der Messe sind. Dazu gibt’s sogar einen Instagram-account:

sehnsucher_liebfrauen

Inga: Die Osternacht ist für mich am schönsten (Lukas und Johannes nicken). Nach der Messe gibt es ein gemeinsames Ostereier-Essen für alle, die Lust haben, aber die Messe an sich ist besonders schön. Wenn sie beginnt, sitzen alle im Dunkeln. Das Licht kommt erst mit der brennenden Osterkerze in die Kirche.

Lukas: Wenn der Priester die Kirche betritt, singt er „Lumen Christi“ und die ganze Gemeinde antwortet: „Deo gracias“.

Inga: An einem solchen Abend sind ganz viele Messdiener im Einsatz. Die entzünden dann ihre Kerzen an der Osterkerze und bringen das Licht zu den Menschen in den Kirchenbänken. Die halten ebenfalls kleine Kerzen in der Hand und je mehr davon brennen, umso heller wird es in der Kirche. Diese Stimmung ist einfach unheimlich schön.

Kanello: Vielen Dank für dieses offene Gespräch.